Teure medizinische Hilfsmittel

3. Februar 2012

Der Preisüberwacher macht Druck

Text:
Vera Bueller
Bild:
Thinkstock Kollektion
Ausgabe:3/12

Für medizinische Hilfsmittel wie Krücken oder Inhalationsgeräte werden in der Schweiz bis 1400 Pro­zent mehr be­zahlt als im Ausland.
Bild: Thinkstock Kollektion

 

 

 

 

 

 

Schuld an den hohen Preisen der Geräte ist die Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) des Bun­des. Sie legt fest, was die Krankenkassen maximal vergüten müssen; da kassieren die Lieferanten kräf­tig ab. Zu­mal die meisten Tarife seit 2000 nicht mehr überprüft wurden. Preis­über­wacher Stefan Meierhans fordert nun: «Je­de Tarifposition ist alle drei Jah­re auf Basis eines internationa­len Preisvergleichs zu überprü­fen.» Wichtig dabei: Die Lieferanten müssten offenlegen, wie viel ihr Produkt im Ausland kostet. Der Bund kündigt an, die geforderte MiGeL-Revision werde «erst in eineinhalb bis zwei Jahren abgeschlossen sein».

© Beobachter Ausgabe 3 vom 02. Feb 2012 – Alle Rechte vorbehalten

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Pharmaindustrie bekämpft Preissenkungen bei 2500 Medikamenten

3. Januar 2012

Die Pharmaindustrie ärgert sich krank!
Von Victor Weber und Martina Wacker
– Redaktion Sonntagszeitung vom 10.01.2012 –

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) senkt in den kommenden drei Jahren die Preise von 2500 Medikamenten, die von den Krankenkassen rückvergütet werden. 2012 wird ein Drittel der 2500 Präparate, die auf der sogenannten Spezialitätenliste aufgeführt sind, verbilligt. Dabei vergleichen die Behörden die hiesigen Preise mit den Preisen in sechs europäischen Referenzländern. Da der Euro gegenüber dem Franken weiterhin stark unterbewertet ist, wirkt sich die Anpassung besonders stark aus.

Die Pharmaindustrie will das nicht kampflos hinnehmen. Im Gespräch mit Roche-Chef Severin Schwan ist zu erfahren, dass die Branche der Politik zwei Alternativlösungen vorgeschlagen hat. Statt von den tatsächlichen Wechselkursen auszugehen, die an den Devisenmärkten gebildet werden, soll das BAG einen errechneten Wechselkurs heranziehen, der die unterschiedliche Kaufkraft widerspiegelt. Während der Euro am Freitag bei 1.21 Franken notierte, liegt der faire Kurs, der den Spekulationsfaktor ausblendet, etwa bei 1.36 Franken. Der zweite Vorschlag der Branche geht dahin, das Währungsschwankungsband von aktuell 3 Prozent stärker auszuweiten. Preisdifferenzen, die den Pufferbereich nicht verlassen, ziehen keine Preissenkungen nach sich.

Das BAG will die Vorschläge nicht kommentieren. Früher hatte die Industrie, insbesondere Novartis-Präsident Daniel Vasella, gefordert, die Preisüberprüfung kurzerhand auszusetzen.

Klartext redet der Preisüberwacher Stefan Meierhans: Sollte sich die mächtige Branche durchsetzten, würde ihn das «sehr ärgern». Es gehe nicht an, die Regeln während des Spieles ändern zu wollen. Die Pharmaindustrie sei bereits durch das Verbot von Parallelimporten privilegiert. Dieses dürfe es nicht umsonst geben. «Eine faire Regulierung muss auch die Interessen der Prämienzahlenden schützen, nicht nur die der Pharmaindustrie», stellt Meierhans klar. Vor einiger Zeit habe man sich mit der gesamten Branche einigen können, wie die Medikamentenpreise festgelegt werden. «Die Lösung war ein Kompromiss, den auch die Pharmafirmen mitgetragen haben.»

Auf Ablehnung stossen die Vorschläge der Industrie auch beim Krankenkassenverband Santésuisse. «Wir sind strikt dagegen», sagt ein Sprecher, «es ist ja nicht so, dass die Pharma Not leidet.» Pro Rappen würden die Kursunterschiede die Medikamente um 35 Millionen Franken verbilligen.

Bei den Branchenverbänden gibt man zu bedenken, dass der Markt schon im vergangenen Jahr geschrumpft sei und deswegen Arbeitsplätze abgebaut worden seien. Vips, der Verband der importierenden Pharmafirmen, verweist darauf, dass 2011 bei seinen Mitgliederfirmen 500 bis 600 Stellen gestrichen wurden.

Bei Interpharma (Novartis, Roche, Actelion, Merck Serono) heisst es, dass es «verheerend» wäre, würde das BAG darauf beharren, den aktuellen Wechselkurs anzuwenden.

Der neue Gesundheitsminister Alain Berset ist gefordert

Als 2008 der Mechanismus festgelegt wurde, lag der Eurokurs bei 1.52 Franken. Damals waren in der Schweiz Krebsmittel günstiger als in Deutschland. Nur weil inzwischen der Eurokurs tiefer liege, könne die Industrie nicht erwarten, dass nun andere Kriterien gälten, argumentiert Santésuisse. Roche-CEO Schwan hält dagegen, dass die inzwischen eingetretenen «enormen Währungsturbulenzen» seinerzeit nicht hätten erwartet werden können.

Die Pharma fordert von den Behörden auch darum «Augenmass», weil im System nur Preissenkungen vorgesehen sind, aber keine Anpassung nach oben. In Erwartung steigender Eurokurse würden Firmen zuwarten, neue Medikamente auf den Schweizer Markt zu bringen. Bei einer Markteinführung komme der Vergleich mit den ausländischen Preisen sogleich zum Tragen.

Wegen der Kursschwankungen ist für die Unternehmen die Planbarkeit eingeschränkt. Das wiederum reduziert die Bereitschaft, zu investieren. Exportierende Hersteller bekommen die Euroschwäche in Form sinkender Umsätze zu spüren. Nun müsse verhindert werden, diese «doppelt zu bestrafen», indem die Preisanpassungen stur durchgezogen würden. So argumentiert Sciences Industries, die Gesellschaft für die chemische Industrie.

Die Lösung des kniffligen Problems obliegt dem neuen Gesundheitsminister Alain Berset (SP).

Sontagszeitung / Publiziert am 01.01.2012

22. Dezember 2011

Text: Vera Bueller / Bild: Marco Zanoni / Ausgabe:26/11

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Für medizinische Hilfsmittel werden in der Schweiz Höchstpreise gezahlt – mit unglaublichen Profiten für Importeure, wie ein Beispiel zeigt.

Dorothea Conte glaubte, «ein Hightechgerät par excellence» in ihren Hän­den zu halten. Ein Nervenstimulationsgerät, das sie gegen ihre Rückenschmerzen für 316 Franken im Spital bekommen hatte.

Sie wollte mehr über das Wundergerät erfahren und begann im Internet zu recherchieren – mit interessantem Ergebnis: Das Gerät kostet beim US-Hersteller Tensproducts nur 44.95 Dollar, also Fr. 41.50. Derzeit ist es gar als Aktion «zwei für eins» zu haben. «Den zu ­hohen Preis, den der Importeur kassiert, zahlen wir Prämienzahler», entrüstet sich Conte.

Das Maximum ist Standard

Der Schweizer Importeur war für den Beobachter nicht zu sprechen. Er profitiert davon, dass die Krankenkassen für dieses Gerät tatsächlich bis zu 270 Franken vergüten müssen. So steht es in der Mittel- und Gegenständeliste (MiGeL) des Bun­des. Sie gibt Auskunft da­rüber, wie viel die obligatorische Krankenversicherung für medizinische Hilfsmittel wie Krücken, Injektionsmaterial oder Inhalationsgeräte bezahlen muss. Die Krux dabei: Es handelt sich bei den Angaben um Höchstpreise. Und die Hersteller oder Händler von Medizinalprodukten orientieren sich an diesem festgelegten Maximalbetrag.

Der Preis wird von einer Kommission aus Vertretern des Bundes, des Gesundheits- und Versicherungswesens sowie Öko­nomen ermittelt.

Dass die Liste die wirk­lichen Marktpreise zu wenig ­widerspiegelt, hat Preisüberwacher Stefan Meierhans längst erkannt: «Die Preise in der MiGeL sind im internationalen Vergleich in der Tat häufig sehr hoch.» Er hat deshalb schon vor einigen Monaten detail­lierte Empfehlungen zur Neuregulierung der MiGeL-Preise abgegeben. Doch beim Bundesamt für Gesundheit fehlt es angeblich an Ressourcen, um den jeweils günstigsten Lieferanten aller MiGeL-Produkte zu finden. Mediensprecher ­Daniel Dauwalder dazu: «Eine generelle Überprüfung ist in naher Zukunft geplant.»

Das Warten geht derweil 
auf Kosten der Prämienzahler: Santé­suisse, der Verband der Schweizer Krankenkassen, schätzt die Sparmöglichkeiten in diesem Bereich auf gut 100 Millionen Franken jährlich.

Medikamente und Hilfsmittel – einfacher Vergleich für gesunde Preise

7. Dezember 2011

Rezeptpflichtige Medikamente sind in der Schweiz zu teuer. Dies sagt eine kürzlich veröffentlichte Studie von santésuisse (Communiqué vom 23.11.2011). Diese Heilmittel belasteten im 2010 die Krankenkassen mit rund 4.8 Milliarden Franken. 1.3 Milliarden davon flossen als Margen in den Handel (Grossisten, Apotheken, Ärzte und Spitäler). Der Vergleich mit sechs europäischen Ländern – darunter Deutschland und Dänemark – zeigt, dass die Schweizer Margen durchschnittlich um 25% höher sind als bei den Referenzländern. Santésuisse schreibt: «Das Sparpotential beträgt 300 Mio. Schweizer Franken zugunsten der Prämienzahler.» Und weiter: «Die übrigen Länder liegen bis zu 45 Prozent unter dem Schweizer Niveau.» Den ganzen Beitrag lesen »

Neues Info-Portal für Preisvergleiche…

1. Dezember 2011

Bandagen, Gehhilfen oder Blutzucker-Messstreifen sind teuer. Konsumenten erfahren, wie sie Druck auf die Preise ausüben können, sagt der Betreiber von «Mymigel.ch».

Von Ulrich Rotzinger | Aktualisiert um 18:29 | 30.11.2011

Warum kostet mein Blutzucker-Messgerät so viel Geld», fragt Blick.ch-User Jan M.«Gibt’s das nirgendwo günstiger?»

Ob Sport- oder Unfallbandagen, Verbandsmaterial, Blutzucker-Messstreifen oder eben das genannte Gerät: «Im MiGel-Bereich gibt es Preise in unserem Land, die krass überhöht sind», bestätigt Preisüberwacher Stefan Meierhans. Den ganzen Beitrag lesen »

KK – Versicherte wünschen tiefere Medikamentenpreise

25. Oktober 2011

Eine Umfrage:

In den Augen der Versicherten erfüllen die Krankenkassen die wichtigsten Erwartungen wie beispielsweise eine schnelle Leistungsvergütung, eine funktionierende Rechnungskontrolle und einen kompetenten Kundenservice. Allerdings erfüllen die Krankenkassen nicht alle Erwartungen gleich gut. So wünschen sich die Versicherten einen grösseren Einsatz der Kassen für tiefere Medikamentenpreise. Dies zeigt eine repräsentative Umfrage
des Internet-Vergleichsdienstes comparis.ch.

Jedes Jahr, wenn die Krankenkassen-Prämien steigen, wird auch Kritik an den Krankenkassen laut. Der Internet-Vergleichsdienst comparis.ch wollte daher wissen, ob die Erwartungen von Herr und Frau Schweizer an die Krankenkassen erfüllt werden. Um das herauszufinden, hat comparis.ch in einer repräsentativen Studie untersucht, welche Aufgaben die Versicherten für die Krankenkassen sehen und ob sie denken, dass die Krankenkassen diese Aufgaben auch wahrnehmen. Den ganzen Beitrag lesen »

Jetzt werden wir sogar aussortiert…

28. September 2011

Krankenkassen sortieren Risiko-Kunden aus – und Comparis hilft ihnen dabei

Von Vincenzo Capodici (Tages Anzeiger). Aktualisiert am 27.09.2011 als PDF

Die Internetvergleichsdienste zeigen nicht unbedingt die günstigsten Offerten der Krankenkassen an. Comparis-Chef Richard Eisler aber wehrt sich gegen den Vorwurf der Geldmacherei. Das BAG untersucht den Fall. Den ganzen Beitrag lesen »

Teilweise doppelter Selbstbehalt bei Medikamenten

23. September 2011

Aufgepasst beim Kauf von Medis

Seit Monaten müssen Patienten mehr aus dem eigenen Sack für Arzneien zahlen. Als erste kommt der Verband Santésuisse mit Spartipps – allerdings mit reichlicher Verspätung.

Von Ulrich Rotzinger Blick 23.09.2011
als PDF

Eigentlich hätte der Krankenkassenverband Santésuisse bereits im Frühjahr aktiv werden können. Bis heute jedoch wurden die wenigsten Versicherten durch ihre Krankenkasse über den höheren Selbstbehalt beim Kauf von Arzneien informiert. Den ganzen Beitrag lesen »

Aufgepasst beim Kauf von Medis

23. September 2011

NEU→Beim Apotheker gibts eine Änderung. Doch erst jetzt fordert Santésuisse von den Krankenkassen, ihre Versicherten aufzuklären.

ulrich.rotzinger
@ringier.ch / 22.09.2011 Blick am Abend
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News zum “differenzierten” Selbstbehalt bei Medikamenten

9. September 2011

BAG Definition zum differenzierten Selbstbehalt !
Definition des BAG
Der Selbstbehalt, den eine versicherte Person beim Bezug eines Arzneimittels bezahlen muss, beträgt grundsätzlich 10 Prozent. Bis anhin galt für ein Originalpräparat ein Selbstbehalt von 20 Prozent, wenn in der Spezialitätenliste (SL) Generika aufgeführt waren, deren Höchstpreise mindestens 20 Prozent tiefer waren als der Höchstpreis des entsprechenden Originalpräparates (altArt. 38a Abs. 1 Bst. a1 der Krankenpflege-Leistungsverordnung vom 29. September 1995 (KLV; SR 832.112.31)). Den ganzen Beitrag lesen »

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